Bildserie "Flucht 2015" – evangelische Kirche St. Michael, Wolfratshausen

Ausstellung vom 25. September bis 11. Oktober 2015

Seit dem Frühjahr dieses Jahres wurden wir mit Berichten, Zahlen und Bildern konfrontiert, die den Begriff „Völkerwanderung“ nahelegen. Dabei erfuhren wir ein allmähliches Umkippen unserer Vorstellungen vom Mittelmeer-Raum als Landschaft und als Teil unserer Kulturgeschichte. Sehnsuchts-Buchten in schönsten Blautönen und heiter gelassene Lebensart mit Tradition zurück bis zu den Griechen und Römern wandelten sich zu Festungen und Todesfallen für Tausende – und der Ansturm lässt nicht nach…  

Die Gründe sind vielfältig, und Europa ist sicher nicht frei von Verantwortung für diese Entwicklung.


Es entstanden die Tafeln II und III zum „MITTELMEER“: 
Die Bilder habe ich auf einem Grundraster von 5 x 5 Feldern angelegt. (Suchquadrate, tagebuchartige Wiederholungen, Unschärfen der Print-Medien…)  Mit dem Spachtel verzogene Blautöne werden durchbrochen von Abbildungen überfüllter Flüchtlingsboote oder Szenen gerade noch gestrandeter Schiffbrüchiger, kontrastierend zum heiteren Blau.

607 - FLUCHT III, Übers Mittelmeer, Öl und Collage auf Leinwand, 80x80, 2015

Tafel I war die notwendige Ergänzung als Frage nach den Gründen: „FLUCHT 1“
Kriegerische Auseinandersetzungen im Mittleren Osten und in afrikanischen Ländern. Man erkennt Spuren, Zerstörungen, Blut, überfüllte Transporter, Wüste… aber alles verworren, undurchschaubar.

626 - AFRIKA-LEVANTE, FLUCHT I, Öl und Collage auf Leinwand, 80x80, 2015

Tafel IV und V entstanden im September: „ FLUCHT 2 + 3“
Wieder ist eine neue Situation entstanden. Eine Syrische Familie zahlt 4.000 € für die Bootsfahrt nach Lesbos – sie wollen nach Kanada – alle ertrinken, der Vater überlebt. Ein Foto des angespülten dreijährigen Sohnes erschüttert die Welt; England will nun doch Flüchtlinge aufnehmen, Frau Merkel erklärt den Ausnahmezustand für alle Verfolgten und heißt sie willkommen. Sie kämpfen sich durch, jenseits aller Regeln, von Grenzbahnhof zu Grenzbahnhof. Mit wachsendem Staunen vernehmen wir die Zahlen und realisieren allmählich, dass dies alles Menschen sind mit Bedürfnissen, Hoffnungen, Gefühlen – einige werden demnächst unsere Nachbarn sein…


Bewährt hat sich auch hier die Spachteltechnik verzogener Ölfarbe in Kombination mit collagierten Zeitungsbildern. So wird die scheinbare Objektivität der Fotos von Farbstrukturen überlagert, die das Mehrschichtige, Verworrene der Situation zum Ausdruck bringen.  

 

Am Ende in Tafel V das hoffnungsvolle Grün, das auf die Kirche verweist, den Ort definierter Hoffnungen.

Links: 627 - FLUCHT IV, Ertrunkenes Flüchtlingskind, Öl und Collage auf Leinwand, 40x80, 2015 – Rechts: 628 - FLUCHT V, Überwindung der EU-Grenzen, Öl und Collage auf Leinwand, 40x80, 2015