Ausstellung "Reife Früchte", Februar 2015

Atelier Muth, Wolfratshausen

Barbara Szymanski, Reinhild Stötzel

Aus der Laudatio von Barbara Szymanski bei der Vernissage:


Diese Bilder machen fröhlich. Sie geben trüben Gemütern einen Stups und bringen Munterkeit in verschattete Räume. Es sind Reinhild Stötzels frische Früchtchen. Doch was heißt hier Früchtchen. Diese wachsen über sich hinaus, sind Bild gewordene Poesie, knapp in der Formulierung und irgendwie auch dieser Welt enthoben. Denn die Malerin schafft es, dass wir Betrachter immer wieder hinschauen – mit einem Lächeln in den Mundwinkeln.

Die Dinglichkeit der Zitrusfrüchte, Äpfel, Birnen, Pflaumen oder Feigen ist mitunter bis in die Nuance hinein präzise aber immer voller Delikatesse geschildert. Einer Delikatesse, die man der Ölmalerei fast nicht zutrauen würde: zart, samtig, stumpf, glänzend, knackig oder saftig zum Reinbeißen.

 

Wie entsteht dieser Samt auf den Pfirsichen – oder die leicht porige Oberfläche und der porzellanfarbene Glanz auf den Zitrusfrüchten und die zum Reinbeißen reife Knackigkeit der Kirschen? Es sind abertausend vertikale Pinselstriche die ja eigentlich gegen die runden Formen arbeiten.

 

Gleichwertig sollen sich die Früchte darstellen. Keine darf in den Vordergrund kullern, sich vordrängen. Es soll ein Gleichgewicht herrschen, zart modelliert in Rhythmus und Tektonik. Es entsteht eine fein abgestufte Farbigkeit, die sich aus dem sparsamen Grundakkord entwickelt. Strich für Strich und mit der Assistenz einer Grundierung in einer Komplementärfarbe des Gesamtbildes.

 

Reinhild Stötzel malt nicht spontan, wirkt nicht aufgewühlt und angespannt, sondern befriedet, fast glücklich. Das ist sie, wenn sie in ihrem Atelier malen kann. Zeit ist kein Kriterium. Sie malt, also ist sie.

 

Lesen Sie hier die gesamte Laudatio von Barbara Szymanski:

Laudatio bei der Vernissage
Laudatio von Barbara Szymanski.pdf
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